Mahnmal am Opernplatz

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Am Opernplatz steht ein 1994 errichtetes Mahnmal für die ca. 6800 ermordeten Juden in Hannover durch das Naziregime, jedoch sind lediglich 1935 Namen und die zugehörigen Geburtsdaten und der Todesort bekannt und archiviert. Falls diese Daten nicht bekannt waren, wurde der Hinweis „verschollen“ angegeben. Das Mahnmal wurde nach einem Entwurf des italienischen Künstlers Michelangelo Pistoletto auf dem Opernplatz aufgestellt. Vor der Aufstellung des Bauwerkes gab es jahrelange, kontrovers geführte Diskussionen über das Pro und Kontra eines solchen Mahnmals. Finanziert wurde dieses von privaten Spendern durch die Initiative des Vereins Memoriam.

Bei der Einweihung 1994 waren die Namen von 1.890 Opfern bekannt. Aufgrund weiterer Forschung konnten 1997 weitere 25 Namen nachgetragen werden, weitere 20 im Jahr 2004

Die Geschichte der Juden in Hannover bis zum Ende des Dritten Reichs fasst eine zentrale Inschrift am Mahnmal wie folgt zusammen:

Dieses Mahnmal ist zur bleibenden Erinnerung an über 6800 Jüdinnen und Juden Hannovers errichtet worden. Viele Familien lebten hier seit Generationen. Ab 1933 wurden sie von den Nationalsozialisten gedemütigt, entrechtet, verjagt, in den Selbstmord getrieben oder getötet. Die verbliebenen jüdischen Kinder, Frauen und Männer mussten 1941 ihre Wohnungen räumen und wurden unter Mithilfe der Stadtverwaltung in Judenhäusern zusammengepfercht. Von dort aus wurden sie ohne nennenswerten Widerstand der übrigen Bevölkerung aus der Bürgerschaft herausgerissen, deportiert und ermordet.

Transporte:

Die Transporte erfolgten am 28. Oktober 1938 nach Polen, am 25. Juni 1939 Richtung Polen, am 15. Dezember 1941 nach Riga, am 31. März 1942 nach Warschau, am 23. Juni 1942 nach Theresienstadt, am 02. März 1943 nach Auschwitz, am 16. März 1943 nach Theresienstadt, am 30. Juni 1943 nach Theresienstadt, am 11. Januar 1944 nach Theresienstadt, am 20. Februar 1945 nach Theresienstadt.

Es gab nur wenige Überlebende in Hannover. 27 Personen wurden am 10. April 1945 im Sammellager Ahlem von Amerikanischen Soldaten befreit, so wie zum Beispiel die Jüdische Gartenbauschule in Ahlem.

Am Tag der Einweihung des Mahnmals trug der damalige Landesrabbiner Henry Brandt folgendes Gebet vor:

„Wir gedenken unserer Brüder und Schwestern der jüdischen Gemeinde Hannovers, die durch Hochmut, Hass und Rassenwahn in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in den Tod getrieben wurden, oder verhöhnt oder verachtet aus ihrer Heimat in die Fremde vertrieben wurden. Wir trauern für alles, was mit ihnen zerstört wurde. Nicht nur ihr Gotteshaus wurde durch frevelnde Hunde in Schutt und Asche gelegt, sondern auch ihre Weisheit, ihre Güte und ihre Rechtschaffenheit, die Welten hätten retten können und viele Wunden hätten heilen können, wurden vernichtet. Wir trauern um Können und Wissen, um Lachen und Lächeln, die uns mit ihnen verloren gingen. Die Welt würde ärmer und unser Herz erstarrte, wenn wir die Herrlichkeit, die hätte sein können, vergessen werden.

Dankend erinnern wir uns an ihr Vorbild. Sie sind wie Lichter, die aus der Dunkelheit jener Jahre zu uns herleuchten und in ihrem Glanz erkennen wir, was gut ist und was böse. Mögen solche schlimmen Zeiten nie wiederkehren, auf dass auch ihr Opfer nicht umsonst war. Indem wir ihrer gedenken, gewinnen wir Kraft in unserem täglichen Ringen gegen Grausamkeit und Vorurteil, gegen Tyrannei und Verfolgung. Amen.

Die inzwischen verstorbene Gerda Wassermann berichtete am 17.12.2011 in einem Interview mit der HAZ-Redaktion über die Lebenszustände der aus Hannover nach Riga deportierten Juden.

1943 wurde die Familie Wassermann aus ihrem Heimatdorf Gretenberg nach Riga (Lettland) deportiert. Gerda Wassermann war eine der wenigen Überlebenden.

„Die meisten ihrer Erinnerungen an Deutschland waren jedoch von den schrecklichen Erlebnissen mit dem Nazi-Regime geprägt. Wassermanns gesamte Familie wurde damals nach Riga deportiert: „Ab 1943 war alles organisiert, es gab kein Entkommen. Wir haben nie geglaubt, dass sie uns so umbringen“, erzählte Wassermann unter Tränen. Das Erlebte ging ihr auch nach fast 70 Jahren sehr nahe. Mit kahlrasiertem Kopf habe sie in einem Steinbruch arbeiten müssen, wo sie an Hunger und Kälte gelitten habe, berichtete die 91-Jährige. Sie erinnere sich an einen Tag, an dem 1800 Gefangene umgebracht worden seien. Ihre Befreiung bezeichnet die gebürtige Sehnderin als ein Wunder. „Wenn die Russen einen Tag später gekommen wären, wäre ich gestorben“, sagte sie. Sichtlich stolz ist Wassermann auf ein paar alte Familienfotos, die sie von einem Sehnder erhalten hat. Allen in der Runde erzählt sie auf rührende Weise die Geschichten, die hinter den Bildern stecken. „Das finde ich sehr wichtig, vergesst bitte nie, was passiert ist“, sagte Wassermann dankbar.“ (Dettmer/haz)

Dogan Arslan, Dominik Stiller, Kaya-Can Senol, Phil Hehr, Deniz Souleimanoglou, Roman Cleiman

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